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Blower Door Test: Wie luftdicht ist ein Haus?

Mithilfe des Blower Door Tests wird ermittelt, wie luftdicht ein Gebäude ist

Blower Door Test: Wie luftdicht ist ein Haus?

Der Blower Door Test ist ein Differenzdruck-Messverfahren, das Aufschluss darüber gibt, wie luftdicht ein Gebäude ist. Der Test ermöglicht, die Luftwechselrate im Gebäudeinneren zu bestimmen und undichte Stellen in der Gebäudehülle aufzuspüren.

Ein Blower Door Test hilft also, die Energieeffizienz des Hauses zu optimieren. Gleichzeitig werden Ursachen für spätere Schäden an der Bausubstanz noch während des Bauprozesses ausgeschaltet. Ein sensibler Punkt sind dabei insbesondere Leckagen in der Wärmedämmung. Undichte Stellen in der Dämmschicht führen zu sogenannten Wärmebrücken. Mögliche Folgen können die Bildung von Kondenswasser, Feuchteschäden und Schimmelbildung sein. Außerdem lässt sich abhängig von den Testergebnissen das Binnenklima und damit der Wohnkomfort eines Gebäudes von vornherein optimieren.

Tabelle 1: Einsatzbereiche und Optimierungsmöglichkeiten durch einen Blower Door Test

Blower Door Test Einsatzbereich/Opimierungsmöglichkeiten
1. Vermeidung von Energieverlusten
2. Verhinderung von Schimmelbildung
3. Vermeidung von Zugluft

Wie wird ein Gebäude luftdicht?

Die Luftdichtheit älterer Gebäude lässt in der Regel stark zu wünschen übrig. Risse im Mauerwerk und undichte Fugen bewirken, dass an diesen Stellen besonders viel Wärmeenergie aus dem Haus entweicht und die Bewohner vor allem in der kalten Jahreszeit zusätzlich unter Zugluft leiden. Möglichst luftdichte Konstruktionen sind eine Voraussetzung und gleichzeitig das Resultat einer fachgerechten Wärmedämmung.

Die Wärmedämmung wirkt gleichzeitig als Luftdichtheits- und Windschutzschicht

In der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2014 ist für Neubauten ebenso wie für energetisch sanierte ältere Häuser eine komplette Dämmung der Gebäudehülle vorgeschrieben. Ausnahmen gelten lediglich für Dach und Keller: Wenn das Dachgeschoss nicht zu Wohnzwecken genutzt wird, kann anstatt einer vollständigen Dachdämmung eine Dämmung der obersten Geschossdecke vorgenommen werden. Für eine EnEV-gerechte Kellerdämmung im Rahmen von Sanierungen reicht bei einem nicht intensiv genutzten und nicht beheizten Keller eine Kellerdeckendämmung aus. Die Dämmschicht übernimmt in der Regel gleichzeitig die Aufgabe einer Luftdichtheits- und Windschutzschicht.

Luftdichtheit ist nicht mit Dampfdichtheit identisch

Das wichtigste Argument der Dämmungsgegner besteht darin, dass ein Haus „atmen“ muss, um ein angenehmes Wohnklima zu erzeugen und die Bausubstanz zu schützen. Gemeint ist damit jedoch, dass viele Konstruktionen die Diffusionsoffenheit der Wärmedämmung – also die Möglichkeit der aktiven Feuchtigkeitsregulierung – erfordern. Nicht fachgerechte Ausführungen der Dämmung, falsch verlegte Dampfbremsen oder Dämmstoffe, die den Feuchtigkeitsaustausch blockieren, können gravierende Bauschäden zur Folge haben. Luftdichtheit und Dampfdichtheit sind jedoch nicht identisch. Eine diffusionsoffene Wärmedämmung kann (und muss) trotzdem luftdicht sein. Der Grad ihrer Diffusionsoffenheit hängt dagegen maßgeblich von einer eventuell eingebrachten Dampfbremsfolie und vor allem vom jeweiligen Dämmstoff ab.

Relevanz von Wärmebrücken

Mangelnde Luftdichtheit ergibt sich bei einem gut gedämmten Haus vor allem aus dem Vorhandensein von Wärmebrücken. Dabei handelt es sich um Bereiche, aus denen die Wärme schneller nach außen abgegeben wird als in den benachbarten Arealen. Wärmebrücken entstehen besonders oft an Fenster- und Türöffnungen, den Dachsparren und anderen Balkenkonstruktionen mit Außenwandberührung sowie an den Anschlüssen für Versorgungsleitungen. Wenn solche Stellen nicht abgedichtet werden, können an ihnen große Mengen Energie ungenutzt entweichen. Gleichzeitig sinkt in diesen Bereichen die Oberflächentemperatur an der Raumseite der Wand. Hieraus ergibt sich die Gefahr, dass sich Kondenswasser und langfristig Feuchtigkeitsschäden oder Schimmel bilden.

Tipps & Tricks
Eine möglichst vollständige Luftabdichtung ist wichtig für den Schutz der Bausubstanz. Schimmelschäden durch Wärmebrücken können auch ohne Tauwasserausfall entstehen. Wenn durch niedrige Oberflächentemperaturen die Luftfeuchtigkeit an der Wandoberfläche 70 bis 80 Prozent beträgt, können sich bereits Schimmelpilze bilden.

Anforderungen an die Luftdichtheit von Gebäuden

Das Ziel einer Wärmedämmung besteht darin, mit möglichst geringem Energieaufwand eine optimale Wohnbehaglichkeit zu erreichen. Die nationale DIN-Norm 4108 schreibt für Neubauten und energetische Sanierungen das Schaffen einer Luft- und Winddichtungsschicht über die gesamte Fläche vor. Mit zunehmenden Dämmstoffstärken gewinnt diese immer größere Bedeutung: Zwar werden Transmissionsverluste an Wärmeenergie durch die Dämmschicht minimiert, sie verliert jedoch ihre Effizienz, wenn die zugeführte Energie durch Leckagen – also durch Konvektion – verloren geht.

Bestimmung der Luftdichtheit über die Luftwechselrate

Die Luftdichtheit eines Hauses wird über die Luftwechselrate ermittelt. Die Luftwechselrate n ist ein Maß für den Zuluftvolumenstrom in Relation zum jeweiligen Bauvolumen des Gebäudes. Der ausgewiesene Wert gibt jeweils ein Vielfaches des Raumvolumens an.

Die Luftwechselrate ergibt sich aus dem Luftvolumenstrom innerhalb einer Stunde, wenn zur Außenluft eine Druckdifferenz von 50 Pa (Pascal) aufrechterhalten wird – sie wird daher durch einen Wert n50 ausgewiesen. Der Luftvolumenstrom wird dabei durch das Raum- oder Gebäudevolumen dividiert. Eine Luftwechselrate n = 15/h bedeutet, dass in einer Stunde das Luftvolumen innerhalb eines Gebäudes im Verlauf einer Stunde 15 Mal komplett ausgetauscht wird. Je kleiner der Wert ist, desto luftdichter ist das Gebäude.

Gesetzliche Vorschriften für die Luftwechselrate

Die Luftwechselraten in Wohngebäuden werden ebenfalls durch die DIN-Norm 4108 geregelt, die Grenzwerte für unterschiedliche Gebäudetypen angibt. Für Gebäude ohne Belüftungsanlagen wird eine Luftwechselrate von n50 = 3,0 verlangt, für Passivhäuser gilt ein Wert von n50 = 1,5.

Die sogenannte hygienische Luftwechselrate liegt bei n50 = 0,3. Sie ist das Mindestmaß für den Luftaustausch in Gebäuden. Wenn sie unterschritten wird, treten möglicherweise Geruchsprobleme, hohe Belastungen durch Staub und Mikroorganismen sowie überhöhte Radonkonzentrationen auf.
Die Luftwechselrate kann durch einen Blower Door Test gemessen werden.

Tabelle 2: Grenzwerte für Luftwechselraten in konventionellen Gebäuden und Passivhäusern und „hygienische Luftwechselrate“

Anforderung Luftwechselrate n50
Gebäude ohne Belüftungsanlage 3,0
Passivhaus 1,5
Hygienische Luftwechselrate 0,3

Wie funktioniert ein Blower Door Test?

Der Blower Door Test dient einerseits dazu, Leckagen in der Gebäudehülle aufzufinden, außerdem wird durch das Messverfahren die tatsächliche Luftwechselrate ermittelt. Dabei wird durch einen Ventilator Luft in das Gebäude gedrückt oder im Gegenteil herausgesogen. Die Regulierung des Luftvolumenstroms respektive seine Anpassung an die Gebäudedichtigkeit erfolgt durch verschieden große Messblenden. Während der Messung wird zwischen den Innenräumen und der äußeren Umgebung des Gebäudes eine Druckdifferenz von 50 Pa erzeugt. Auf die realen Druckdifferenzen haben auch Faktoren wie die Windlast Einfluss, die zum Zeitpunkt der Messung auf die Außenmauern des Gebäudes trifft. Auch aus diesem Grund muss jeweils eine Kalibrierung des Messgeräts erfolgen.

Anwendung des Messventilators

Der Ventilator für den Blower Door Test verfügt über einen verstellbaren Metallrahmen, der mit Gummidichtungen und einer luftundurchlässigen Plane ausgestattet ist. Er wird luftdicht in einen Tür- oder Fensterrahmen eingesetzt. Die Messung in einer Türöffnung gab dem Testverfahren seinen Namen – die deutsche Übersetzung des Begriffs lautet „Gebläse-Tür-Test“. Durch die Messblenden wird im Inneren des Ventilators ein Überdruck erzeugt. Die integrierten Messinstrumente ermitteln:

  • Die Druckdifferenz zwischen Außenbereich und Innenräumen
  • Den Druck im Ventilator selbst: Aus diesem Wert ergibt sich die Größe des Luftstroms, der durch das Messgerät transportiert wird.

Die Drehzahl des Gerätes wird so geregelt, dass eine Druckdifferenz von 50 Pa erzielt wird. Bei der Unterdruckmessung wird so viel Luft nach außen abgeleitet wie durch Leckagen in das Gebäudeinnere eindringt. Auf Basis der durch den Test ermittelten Werte wird die Luftwechselrate berechnet.

Informationen über die Lage und die Auswirkungen von Leckagen

Ein Blower Door Test liefert qualitative und quantitative Informationen. Er ermöglicht:

  • Die Lokalisierung undichter Stellen und die Ermittlung ihrer Stärke.
  • Die Feststellung des Luftstroms, der bei einem Prüfdruck von 50 Pa durch die Gesamtheit der vorhandenen Leckagen abfließt.
  • Die Berechnung der Luftwechselrate n50.

Ablauf eines Blower Door Tests

Der Ablauf eines Blower Door Tests erfolgt in den folgenden Arbeitsschritten:

  • Rundgang durch das Gebäude, Aufnahme der Raumverhältnisse.
  • Temporäre Abdichtung von Funktionsöffnungen: Hierzu gehören beispielsweise Dunstabzugshauben, Kamine, Lüftungsöffnungen in Bädern und WCs oder leerer Abflussrohre.
  • Aufbau des Messventilators.
  • Durchführung der Messung und Leckage-Ortung.

Bei der Prüfung der Luftdichtheit der Dachdämmung wird während des Tests oft mit künstlichem Rauch gearbeitet. Vorab ist hier empfehlenswert, die Feuerwehr und auch die Nachbarn über die beabsichtigte Prüfung zu informieren.

Abschlussbericht und Handlungsempfehlungen

Der Auftraggeber für einen Blower Door Test erhält einen Bericht über die Testergebnisse, der den Stellenwert eines Gutachtens besitzt. Beispielsweise sind die Durchführung des Tests und die Vorlage der Messergebnisse Voraussetzungen für den Antrag auf öffentliche Fördermittel für den Bau eines Passivhauses. Gegebenenfalls enthält der Bericht eine fotografische Dokumentation sowie Handlungsempfehlungen für den Bauherrn zu erforderlichen Abdichtungsmaßnahmen.

Zeitaufwand und Kosten für einen Blower Door Test

Blower Door Tests werden von darauf spezialisierten Fachbetrieben durchgeführt. Kosten und Zeitaufwand für den Test richten sich nach der Gebäudegröße, den erforderlichen Vorarbeiten sowie dem Arbeitsaufwand für die Ermittlung und Dokumentation von Leckagen. Die Messung selbst dauert etwa zwei Stunden.

Zeitaufwand für ein Einfamilienhaus: Mindestens ein halber Arbeitstag

Ein kompletter Blower Door Test dauert inklusive des Aufbaus der Messeinrichtung und der Abdichtung von Funktionsöffnungen für ein durchschnittliches Einfamilienhaus mindestens einen halben Arbeitstag. Eine finanzielle Förderung für die Kosten eines Blower Door Tests durch die KfW oder regionale Förderprogramme ist möglich.

Angebotsvergleiche sind empfehlenswert

In die Kosten für den Test fließen einige weitere Faktoren ein. Hierzu gehören beispielsweise Grundpreise und Stundensätze, Spesen sowie der Aufwand für die Dokumentationserstellung. Als Richtwert für ein Einfamilienhaus können Kosten zwischen 350 und 600 Euro gelten.
Empfehlenswert vor einer Beauftragung jedoch der Vergleich mehrerer Angebote. Bei gleichem Leistungsumfang können die Preise der Anbieter recht unterschiedlich sein.

Blower Door Test – Qualitätsprüfung für Gebäude

Mit einem Blower Door Test wird gleichzeitig eine Qualitätsprüfung des Gebäudes vorgenommen. Bei Neubauten kann er bereits Bestandteil der Planung sein und dient dann der Überprüfung, ob eine vollständige Luftisolierung von Dach und Außenwänden inklusive von Fenster- und Türöffnungen sowie Anschlussstellen vorgenommen wurde. In Altbauten dient der Test einerseits der Qualitätsprüfung der erfolgten Sanierungsmaßnahmen. Zum anderen kann durch einen Blower Door Test vor dem Abschluss der Bauarbeiten eine Bewertung des Zustands der Bausubstanz erfolgen. Der Test kann in Ein- und Mehrfamilienhäusern, aber auch in Einzelwohnungen vorgenommen werden.

Tipps & Tricks
Ein Blower Door Test ist weder für Neubauten noch für Altbausanierungen zwingend vorgeschrieben, jedoch zur Qualitätsprüfung der Bau- und Dämmmaßnahmen empfehlenswert. Für Passivhäuser ist eine Luftwechselrate von n50 = 1,5 gesetzlich vorgeschrieben. Ein Blower Door Test und das entsprechende Gutachten gehören hier zu den Antragsunterlagen für eine öffentliche Förderung.
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